Ein chinesisches Märchen


Zwischen zwei Völkern drohte ein Krieg auszubrechen.


Auf beiden Seiten der Grenze lagerten die Heere.


Auf beiden Seiten schickten die Feldherrn Kundschafter aus. Sie sollten herausfinden,

wo man am leichtesten in das Nachbarland einfallen könnte.


Beide Kundschafter kehrten zurück und berichteten ihren Feldherrn:


"Es gibt nur eine einzige Stelle an der Grenze, wo wir in das andere Land einfallen können.

Überall sonst sind hohe Gebirge und tiefe Flüsse.

An dieser Stelle aber," so erzählten sie, "hat ein Bauer sein Feld.

Er wohnt dort in einem kleinen Haus mit seiner Frau und mit seinem Kind.

Sie haben sich lieb, sie sind glücklich. Ja es heisst sogar, sie sind die glücklichsten Menschen

der Welt. Wenn wir über das kleine Feld ins Feindesland einmarschieren, zerstören wir das Glück."


"Also", sagten die Kundschafter, "kann es keinen Krieg geben".


Das sahen dann die Feldherren wohl oder übel auch ein, und der Krieg fand nicht statt -

wie jeder Mensch wohl begreifen wird.